Warum Selbstwirksamkeit Kinder stark macht

Es ist bereits empfindlich kühl an dem Herbstmorgen als eine kleine Gruppe kleinerer und größerer Menschen sich dick eingepackt um eine große Fuhre Holz versammelt hat, die schnellstmöglich ins Trockene gebracht werden muss. Regenwolken ziehen auf. Die Erwachsenen teilen Aufgaben auf und beginnen zügig mit der Arbeit. Auch die größeren Kinder haben Aufgaben übernommen. Die kleineren Kinder wuseln dazwischen herum.

 

Wobei: Wuseln ist eigentlich gar nicht der richtige Ausdruck.

 
Fest entschlossen und mit großer Ernsthaftigkeit haben sie sich einen Blumentopf an die richtige Stelle geschleppt, um ihn dort als eine Art Tritthilfe zu gebrauchen mit der sie das Fenster erreichen können. Durch dieses werden die Holzscheite auf einen Stapel geworfen.
Und genau das tun sie: Holzstück um Holzstück und Rindenstück um Rindenstück wandern aus den kleinen Händen auf den großen Holzstapel.
 
 

Rein ökonomisch betrachtet ist der Beitrag den die Kleinsten bei dieser Arbeit leisten äußerst gering.

Aber Kinder denken nicht ökonomisch.

im Hintergrund eine Straße
ein kleiner Junge mit Hut, Latzhose und Gummistiefel läuft auf der Straße
er hält eine Angelrute und einen Eimer in der Hand
Selbstwirksamkeit
Und auch Entwicklung verläuft nicht ökonomisch. Entwicklung braucht Erfahrung, Herausforderungen, Erfolge und auch Niederlagen. Kleine Kinder lassen sich von Misserfolgen meist nicht bremsen. Stattdessen stellen sie sich ihren Herausforderungen immer und immer wieder aufs Neue. Bis es klappt. Denn beim selbst wirksam werden geht es nicht um Effizienz, nicht um ökonomische Kosten-Nutzen-Rechnungen oder um Leistung. Es geht um das gute Gefühl, selbst etwas bewirken zu können. Einfluss nehmen zu können. Einen Unterschied zu machen in der Welt. Und sei er noch so klein.
 

In unserer arbeitsteiligen Welt ist das Ausmaß an Selbstwirksamkeitserfahrung, mit dem wir im Alltag konfrontiert sind, allerdings meist eher gering. Vieles funktioniert automatisiert – was uns unseren Alltag enorm erleichtert – auf Knöpfe zu drücken gibt uns allerdings nicht das Gefühl selbst wirksam zu sein.

 

Selbstwirksamkeit erfahren wir da, wo wir durch unsere Hände, unseren Körper und durch Dinge, die wir sagen, etwas sichtbar bewirken und verändern.

 
Jede und jeder von uns braucht diese Erfahrung, um ein positives und bestärkendes Bild von sich selbst zu entwickeln. Das Selbstkonzept. Es entsteht durch die vielen kleinen und scheinbar unbedeutsamen Erfahrungen, die wir im Alltag und mit unseren engeren und weniger engen Bezugspersonen sammeln. Ganz praktisch und sichtbar.
 
im Hintergrund eine Wiese und Bäume, links im Bild ein Haus im Vordergrund zwei spielende Kinder eins der Kinder schaukelt
Selbstwirksamkeit
Und auch in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft finden wir genügend Gelegenheiten um selbst wirksam zu werden. Gemeinsam kochen, etwas reparieren, auf einen Baum klettern, etwas schnitzen oder nähen. Pflanzen ziehen – ganz gleich ob im Garten oder auf der Fensterbank. Im Wald auf einem Baumstamm balancieren, mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen.

 

Aber Selbstwirksamkeiterfahrung geschieht auch weniger sichtbar auf der Beziehungsebene.

Wenn wir gehört und unsere Ideen und Meinungen ernst genommen werden. Und auch wenn wir von anderen liebevoll und zugewandt behandelt werden.
Das gibt uns und unseren Kindern die Gewissheit, dass unsere Meinung und unsere Gedanken von Bedeutung sind. Dass sie es wert sind, gehört und geäußert zu werden und dass wir etwas bewirken können, wenn wir über sie sprechen. Und es gibt uns das Selbstbewusstsein für uns selbst einzustehen und dafür zu sorgen, dass wir und andere liebevoll und zugewandt behandelt werden.

Selbstwirksamkeit trägt uns auch durch Krisen.

Das Bewusstsein, selbst etwas bewirken und Einfluss nehmen zu können, hilft uns in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben. Nicht aufzugeben. Nach Lösungen zu suchen und neue Ideen und Herangehensweisen zu entwickeln.

Im Angesicht der Klimakrise ist Selbstwirksamkeitserfahrung daher wichtiger als je zuvor.

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