Zukunftssensible Kleinkind-Pädagogik

In den letzten Jahrzehnten hat sich viel gewandelt in der Pädagogik. Das Bild vom Kind, die Haltung zu Gewalt als Erziehungsmittel, didaktische Methoden in Schule und Kindergarten – alles hat sich verändert. Und dennoch gibt es noch viel Luft nach oben bis wir eine wirklich zukunftssensible Kleinkind-Pädagogik erreicht haben.

Und zwar nicht nur im Hinblick auf den Umgang mit unseren Kindern, sondern vor allem im Hinblick auf den Umgang mit ihrer Zukunft.

Warum zukunftssensibel arbeiten?

Das Wor “zukunftssensibel” gibt es offiziell gar nicht – und ich finde, das sagt schon einigese aus. Als Pädagog*innen, Eltern, Pastor*innen und alle anderen, die wir unseren Alltag mit kleinen und größeren Kindern verbringen, ist es u.a. unsere Aufgabe, sie auf die Zukunft vorzubereiten. Auf ihre Zukunft. Während das bis vor wenigen Jahrzehnten noch in erster Linie ein gewaltvoller Prozess der Anpassung an die Vorstellungen der älteren Generation gewesen ist, gehen wir heute im Allgemeinen sanfter mit jungen Menschen um.

Und das ist richtig. Aber es reicht nicht aus. Denn bisher spielt die Frage danach, wie denn die Zukunft unserer Kinder aussehen wird, leider nur eine untergeordnete Rolle in der Pädagogik. Und fehlt die Sensibilität dafür, obwohl wir wissen, dass ein “Weiter so!” nicht mehr funktionieren kann. Uns fehlt eben diese “Zukunftssensibilität”.

 

im Hintergrund Bäume und eine große Wiese
ein Mädchen auf einer Schaukel
zukunftssensible Pädagogik

Was ist Zukunftssensibilität?

Zukunftssensibel zu sein heißt in allerester Linie sich mit den aktuellen gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und sonstigen Entwicklungen auseinander zu setzen und sich zu fragen, was diese Entwicklungen für die Zukunft unserer Kinder und ihre Lebensrealität bedeuten werden. Was wird ihre Zukunft prägen?

Als Stichworte fallen insbesondere folgende Faktoren ins Auge:

  • die Klimakrise und die damit einhergehende Ressourcenknappheit
  • die u.a. daraus resultierenden Migrationsbewegungen
  • die u.a. ebenfalls aus der Klimakrise enstehenden nationalen und internationalen Konflikte
  • und nicht zuletzt die durch diverse Krisen ausgelöste Polarisierung und Retraditionalisierung unserer Gesellschaft

Auf den ersten Blick mag das ein düsteres Bild sein. Aber an diesem Punkt sollten wir nicht stehen bleiben. Viel entscheidender ist es, sich selbst und die uns anvertrauten Kinder auf dieses Zukunftsszenario vorzubereiten.

Was brauchen wir für diese Zukunft?

Unsere pädagogischen Institutionen wie Krippen, Kindertagespflegestellen, Kitas und Schulen leisten oftmals und vielen Bereichen wertvolle Bildungsarbeit – z.T. auch im Hinblick auf Themen wie Nachhaltigkeit, Naturschutz, Klimaschutz. Nur selten allerdings wird der pädagogische und institutionelle Alltag auch tatsächlich klimagerecht und ressourcenschonend gestaltet.

Klimaschutz mag gelehrt werden, gelebt wird er nur selten. Klimaschutz mag theoretisch thematisiert werden, praktisch umgesetzt wird er meist nicht. Das ist nicht nur schade, das ist fatal, denn es ist lange bekannt, dass wir als Menschen vor allem das nachhaltig lernen, was wir auch praktisch tun. Was wir sinnlich erfahren. Was wir gestalten. Wo wir aktiv sind und was für uns Alltag und Normalität ist.

Aus diesem Grund ist dringend notwendig den Alltag in Krippen, Kitas, Kindertagespflegestellen und Schulen tatsächlich und spürbar klimagerecht zu gestalten. Und aktiv Ressourcen zu schonen.

Klimagerechter, ressourcenschonender Alltag in pädagogischen Einrichtungen

Ein klimagerechter Alltag in pädagogischen Einrichtungen ist kein Hexenwerk. Es ist weder aufwändig noch kompliziert. Eigentlich ist es sogar ganz einfach. Und Ziel einer klimagerechten Neuausrichtung sollte auch niemals Perfektion sein – sondern in manchmal kleinen und manchmal auch ganz großen Schritten mutig und zielstrebig in Richtung Zukunft zu gehen.

Praktisch kann das also bspw. heißen

  • die Ernährung umzustellen und zukünftig nur noch vegetarisches Essen anzubieten (was auch aus religiösen und kulturellen Gründen deutlich inklusiver ist)
  • Ausstattung, Spielzeug und Materialien reparieren, wieder verwenden oder gebraucht kaufen
  • minimalistisch arbeiten (bspw. Bastel-Angebote mit Naturmaterialien, Altpapier oder “Müll”, nur das an Ausstattung anschaffen, was unbedingt notwendig ist, mehr Zeit mit den Kindern draußen verbringen um auch so Ressourcen zu sparen)
  • Müllvermeidung (langlebiges Spielzeug, Materialien wieder verwenden, Dinge reparieren, Essen entweder selber verpackungsarm zubereiten oder Caterer wählen, der verpackungsarm arbeitet)

Kultursensibilität und hohe demokratische Kompetenzen

Unabhängig davon wie stark die Migrationsbewegungen durch die Klimakrise und die daraus entstehenden Konflikte in Zukunft zunehmen werden, brauchen wir in pädagogischen Einrichtungen und in unserer Gesellschaft allgemein ein hohes Maß an kultureller Sensibilität, um ein friedvolles, inklusives, wertschätzendes Miteinander möglich zu machen.

Darüber hinaus sind gute Kommunikations- und Konfliktfähigkeit wichtig für die friedliche Zukunft unserer Gesellschaft. Doch wie kommen wir da hin?

Genau wie klimagerechtes Handeln können auch Kultursensibilität und demokratische Kompetenzen nicht in Menschen hinein gepredigt werden, sie müssen erlebt und erfahren werden. Das Thema Partizipation und die Gestaltung demokratischer Prozesse in Krippe, Kita, Schule und Kindertagespflege hat in den letzten Jahren erfreulicherweise viel Aufmerksamkeit bekommen. Und das ist auch weiterhin notwendig. Durch altersgemäße Patrizipation im pädagogischen Alltag haben Kinder die Möglichkeit mit zu gestalten, für sich selbst und andere einzustehen und Konflikte auszutragen und zu lösen.

Wie unsere pädagogischen Einrichtungen zukunftssensibel werden

Um unsere Kinder wirklich auf ihre Zukunft vorzubereiten und nicht nur nach den Erwartungen älterer Generationen zu formen, und um eine inklusive, friedliche Gesellschaft möglich zu machen brauchen wir pädagogische Einrichtungen, in denen der Alltag aktiv klimagerecht gestaltet wird und in denen Kinder, Eltern und Pädagog*innen partizipativ und auf Augenhöhe ihren Alltag miteinander gestalten.

Entscheidend darf nicht die Frage sein “Was muss das Kind können, um den Erwartungen der älteren Generationen gerecht zu werden?” sondern die Frage “Was braucht das Kind, um mit den Anforderungen seiner individuellen Zukunft gut zurecht zu kommen?”

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